... Fragmente und Fortsetzungsgeschichten aus der Welt von Paradogma.

Beute (8)

Den Zeitungen war die Nachricht eine Achtelseite im Lokalteil wert: Ein tragischer Unfall auf einer Landstraße mit einem kleinen Wunder. Wegen geradezu fahrlässig überhöhter Geschwindigkeit hatte der Fahrer eines Sportwagens die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren. Der Wagen überschlug sich mehrfach und prallte schließlich gegen einen Baum. Während der Fahrer sofort tot war, schaffte es die schwer verletzte Beifahrerin wie durch ein Wunder, sich fast einen Kilometer bis zu einem nahe gelegenen, zufällig gerade bewohnten Ferienhaus zu schleppen, wo sie gefunden und gerettet wurde.

Ein Polizeisprecher gab Auskunft, die Frau sei trotz zahlreicher Prellungen, Schürfwunden und angebrochener Rippen in stabilem Zustand. Detailliertere Angaben über Personalien und Aufenthaltsort der Frau wollte die Polizei vorerst aber nicht freigeben, bevor nicht die genauen Umstände des Unfallhergangs geklärt wären.

Während es von offizieller Stelle keine weiteren Auskünfte gab, war von Quellen im Polizeiumfeld zu erfahren, dass die Verwicklung weiterer Personen in die Angelegenheit noch untersucht wird. Die Frau hätte in ihrem Zustand unmöglich die Strecke zwischen dem Ferienhaus und dem Unfallort zurücklegen können, wo unter anderem ihre Handtasche sichergestellt worden war. Darüber hinaus wäre die Spurenlage ungewöhnlich unklar und auch ein Sexualvergehen oder ein Drogenhintergrund sei nicht auszuschließen.

Über den Artikeln prangte stets das Bild des in der Rauhnacht an einem Baum in zwei Hälften zerrissenen 69er Pontiac Firebird - mit einem trotz aller Schäden deutlich erkennbaren stolzen schwarzen Geweih auf der strahlend weißen Motorhaube.

1 Kommentare:

Stefan hat gesagt…

"Das Geweih auf der Motorhaube" - irgendwie hatte man es schon kommen sehen, daß das als einziges heil bleiben würde.
Lesen und Vorlesen hat wieder einmal viel Spaß gemacht, vielen Dank! Wer die Geschichte hören möchte: Die Hörbuchfassung ist ausnahmsweise schon fertig :-)